Levofloxacin C30 bei Sehnenrissen
Spezifische „Nebenwirkungen“ als homöopathische Indikation – Teil 1
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Von Ulrich Welte
Zusammenfassung: Nach dem letzten Newsletter über die homöopathische Anwendung von Phenytoin C6 bei Störungen des Zahnfleischwachstums wird heute das Phänomen der spezifischen „Nebenwirkung“ als homöopathische Indikation mit dem potenzierten Antibiotikum Levofloxacin nochmals vertieft. Wegen seiner spezifischen Nebenwirkung von Sehnenrissen wurde Levofloxacin C30 als homöopathisches Mittel in einem Fall von Sehnenrupturen mit Erfolg eingesetzt.
Die „Nebenwirkung“ wird hier nicht als Störfaktor, sondern als Teil des Arzneimittelbildes aufgefasst und dient als homöopathische Indikation im Krankheitsfall. Spezifisch ist eine Nebenwirkung nur, wenn sie sich von den banalen Nebenwirkungen wie nicht weiter spezifizierten „Magen-Darm-Störungen“, Kopfweh oder Hautjucken abhebt: sie sollte in erster Linie selten sein wie z.B. die Muskelerkrankungen bei den Statinen (Myositis, Muskelschwäche oder Lähmung), oder sich zumindest in der Häufigkeit des Auftretens vom Durchschnitt deutlich abheben.
Klinisches Arzneimittelbild von Levofloxacin
Hauptindikationen: Erkrankungen der Sehnenansätze. Achilles- und Patellarsehnenrisse. Auch der Riss einer Fingersehne ist unter der Einnahme von Levofloxacin publiziert worden. Die so häufigen Kreuzbandrisse bei Fußballern sind zwar meist als Sportunfälle mit einem adäquaten Trauma verbunden, doch ist eine Anwendung auch hier als postoperative Unterstützung der Physiotherapie denkbar.
Levofloxacin ist ein fluorhaltiges Antibiotikum aus der Gruppe der Fluorchinolone (älterer Name Gyrasehemmer),, die allgemein bei bakteriellen Infekten nur noch mit Vorsicht eingesetzt werden sollen, weil sie ‚potenziell langanhaltende Störwirkungen an Muskeln, Sehnen, Knochen und Nervensystem‘ auslösen können. Es wird empfohlen, die Behandlung mit einem dieser Antibiotika zu beenden, wenn erste Anzeichen einer unerwünschten Wirkung wie Schmerzen, Entzündungen oder gar Risse von Sehnen oder Muskeln, Muskelschwäche oder Gelenkschmerzen oder nervliche Störungen wie das Gefühl von Nadelstichen, Suizidgedanken oder Störungen der Sinneswahrnehmung auftreten. Im Grunde haben wir dadurch schon ein recht differenziertes Arzneimittelbild, das durch ‚Prüfungen‘ an Millionen von Patienten gefunden wurde, das jedoch therapeutisch nicht genutzt wird, weil ‚man‘ eine Verwendung in potenzierter Form und nach der Ähnlichkeit prinzipiell ablehnt.
Die Fluorkomponente aus homöopathischer Sicht: Wenn außerdem Hinweise auf das homöopathische Mittelbild von Fluor[1] vorliegen, dürfte das Mittel noch klarer indiziert sein, es ist jedoch keine Voraussetzung für die Gabe. Zu den Fluorsymptomen gehören eine glatte Härte und Skrupellosigkeit, an der alles abgleitet wie an einer Teflonschicht (Teflon ist ein Fluorprodukt); körperlich sind starke Karies oder gar Knochenfraß zu nennen (die Fluss-Säure, HF, frisst jedes Metall im Nu an). Ferner auch die unter den Nebenwirkungen genannten Suizidgedanken und allgemein die Neigung zu psychotischen Episoden; Genuss im Stil der neuen Zeit, glatt und unverbindlich; das schnelle Geld machen, auch schneller Sex ohne Verpflichtung und Drogen gehören dazu. Die beobachtete Schnelligkeit, mit der die zerstörerischen Nebenwirkungen bei der Einnahme von Levofloxacin eintreten, spricht ebenfalls für die Fluorkomponente: im Extremfall ist Fluor ein cooler Killer, der schneller schießt als sein Schatten.

Mögliche Sehnenschäden wurden rasch bekannt: Nachdem Levofloxacin 1998 eingeführt wurde, hat die französische Arzneimittelbehörde schon nach kurzer Zeit darauf hingewiesen, dass dieses Antibiotikum nur mit Vorsicht zu verordnen sei, weil ein Risiko für Sehnenschäden bestehe. Das Problem zeigte sich also schon sehr früh. Es wurde bald darauf auch schon gewarnt vor Herzrhythmusstörungen (z.T. lebensbedrohliche Kardiotoxizität), peripheren Neuropathien, auch vor bedrohlicher zentralnervöser Erregung bis zur Psychose und erhöhter Licht- und Sonnenempfindlichkeit. In Deutschland empfahl das Arzneitelegramm schon 2001, die Gyrasehemmer allgemein wegen schwerer Schadwirkungen, vor allem Sehnenrisse, nur äußerst zurückhaltend zu verordnen. Patienten sollten darauf hingewiesen werden, bei ersten Zeichen für Sehnenschäden oder Herzrhythmusstörungen umgehend einen Arzt aufzusuchen. Interessant ist auch, dass bei den anfälligen Patienten die Sehnenerkrankungen sehr rasch nach Einnahme von Levofloxacin auftreten: Die Tendopathien unter Gyrasehemmern ereignen sich bei 30 (68%) der 44 Geschädigten innerhalb einer Woche, bei 9 (20%) bereits innerhalb von zwei Tagen nach Einnahmebeginn. Die Mitteilung erfolgte unter der Überschrift: Sehnenrisse unter Levofloxacin (TAVANIC) auffallend häufig. [2]
Die Symptome im orangefarbenen Fettdruck geben uns also schon ein recht ordentliches klinisches Arzneimittelbild von Levofloxazin, wobei die besondere Häufung eines an sich nicht häufigen Symptoms als Keynote gelten können: die Sehnenrisse und insbesondere die Achilles- und Patellarsehnenruptur (Insertionstendopathien, also Entzündungen und Reizungen am Sehnenansatz) wie auch allgemein Sehnenschmerzen und Sehnenentzündungen. Auch Muskel(faser)risse ohne triftigen Grund, also ohne plötzliche extreme Belastung, dürfte als eine Indikation gelten, doch das Keynote des Mittels ist der Riss einer Sehne am Ansatzpunkt.
DD Rhus-t: bevorzugt ebenfalls die Sehnenansätze und kann zum Zerreißen gespannt sein.
PS: Levofloxacin ist in verschiedenen Potenzen über apodil.de oder remedia.at erhältlich.
[1] Siehe „Homöopathie und Minerale“, von Jan Scholten, S. 173 https://www.narayana-verlag.de/Homoeopathie-und-Minerale-Jan-Scholten/b238
[2] Ein sehr informativer Artikel: https://www.arznei-telegramm.de/html/2002_01/0201015_01.html
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